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Keine Zeit für Frieden: Zivilklausel am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften abgelehnt

alea iacta est. Nachdem sich der Arbeitskreis*Zivilklausel (AK*ZK) fast ein Jahr um eine Zivilklausel am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der „F“U Berlin bemüht hatte, wurde der Entwurf des AK*ZK in der Sitzung am 5.6.2013 von den Mitgliedern des Fachbereichsrates abgelehnt. Anstatt ein Zeichen für die gesamtgesellschaftliche Verantwortung der Wissenschaft zu setzen und insbesondere der zunehmenden Militarisierung der Sozialwissenschaften Rechnung zu tragen, kann somit weiterhin munter für Bundeswehr, Rüstungskonzerne und Verteidigungsministerium geforscht werden. Ein dreifaches Hipp, Hipp, Hurra!

Grund zu feiern gab es während der Sitzung letzten Mittwoch jedoch kaum, drohte doch sogar noch Schlimmeres: Bernd Ladwig, seines Zeichens Professor für Politische Theorie und Mitglied des SFB 700, hatte in der Sitzung am 8.5. angekündigt einen Gegenentwurf in Form einer ‚Friedensklausel’ einzubringen (siehe Blogeintrag vom 3.6.2013). Dies bewahrheitete sich nun am letzten Mittwoch, sodass sogar die Verabschiedung einer windelweichgewaschenen Klausel zu befürchten war, welche bestenfalls dem vermeintlichen Sauber-Image der „F“U gedient hätte, mit einem ernstzunehmenden Statement gegen die Militarisierung der Hochschulen jedoch nichts mehr zu tun gehabt hätte.

So viel zur Ausgangslage. Was sich in einer circa halbstündigen Diskussion dann herauskristallisierte war zum einen die fehlende Bereitschaft der Professor_Innenschaft einer Zivilklausel den nötigen Stellenwert einzuräumen und zum anderen die schon so oft erlebte Vorschiebung von Sachzwangargumenten. So wurde dem AK*ZK in gebetsmühlenartiger Routine für sein Engagement und die (ja ach so) anregende und wichtige Diskussion gedankt. An dieser und jener Stelle sei man jedoch noch skeptisch bezüglich der konkreten Umsetzung usw. und so fort. Mit anderen Worten: alles ganz nett, aber man würde doch lieber gerne so weiterwursteln wie bisher und sich dabei ganz bestimmt nicht in die Karten schauen lassen. Und so kam es wie es kommen musste: In geheimer Zettelwahl stimmten neun Mitglieder gegen, fünf Mitglieder für den Antrag des AK*ZK. Vier Mitglieder enthielten sich.

Auch wenn es während des letzten Jahres vereinzelt auch konstruktive Beiträge von Seiten der Professor_Innen und wissenschaftlichen Mitarbeiter_Innen gab, die Bereitschaft die eigene Forschung kritisch zu hinterfragen und ein klares Zeichen für eine friedliche Forschung zu setzen war nie vorhanden. Da tröstet es auch kaum, dass Bernd Ladwigs Friedens-Farce schon vom Tisch war ehe sie wirklich diskutiert wurde: Noch von ihm selbst als rettende Konsenslösung angepriesen, wurde der Antrag mit zwei Ja-Stimmen, vier Enthaltungen und 12 Gegenstimmen abserviert.

Somit stellt sich weiterhin die Frage wie mit dem Problem militärischer Forschung am Fachbereich und an der gesamten „F“U umgegangen werden soll. Denn auch wenn die Zivilklausel vorerst gescheitert ist, wollen wir das Thema keineswegs ruhen lassen und werden uns davon ganz bestimmt nicht klein kriegen lassen. Zu überlegen wäre vor allem über welche anderen Wege (Protestformen, Infoveranstaltungen, Workshops, Broschüren etc.) das Thema getragen werden könnte.

Um diese und ähnliche Fragen zu besprechen wollen wir mit euch am kommenden Dienstag (18.6.2013) von 12-14 Uhr im Rahmen der von der FSI*OSI organisierten Thementage einen Workshop zum Thema „Keine Zeit für Frieden: Perspektiven nach dem Scheitern der Zivilklausel im Fachbereichsrat“ durchrühren. Hierbei soll einerseits der bisherige Verlauf der Diskussionen kurz nachgezeichnet werden, um von dort aus gemeinsam über Perspektiven für eine Uni-weite oder auch Berlin-weite Strategie nachzudenken.

Alle sind herzlich willkommen, ganz egal wie sehr ihr euch schon mit dem Thema beschäftigt habt!

Also:

Dienstag, 18.6.2013:
Workshop des AK*ZK zum Thema „Keine Zeit für Frieden: Perspektiven nach dem Scheitern der Zivilklausel im Fachbereichsrat“

Raum: TBA
Zeit: 12-14 Uhr
Gäste: voraussichtlich Aktive des Berlin-Brandenburg Bündnisses und andere hochschulpolitisch Engagierte

Weitere Details zum Workshop findet ihr in Bälde hier und auf Flyern.
Euer AK*ZK

Nun aber wirklich: Abstimmung über die Zivilklausel im Fachbereichsrat

Nach monatelangem Ringen um die genaue Ausgestaltung der Zivilklausel, in der sich der Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften der FU Berlin auf eine nicht von Interessen militärischer Geldgeber_innen abhängige Forschung und Lehre verpflichten und ein klares Bekenntnis der Verantwortung von Wissenschaft leisten könnte, steht der Fachbereichsrat in dieser Woche vor der Entscheidung. Diese war schon in der letzten Sitzung des FBR am 08. Mai erwartet worden, in der viele interessierte Studierende durch ihre Anwesenheit die studentische Initiative unterstützten. Doch spielt dies für die Stimmenverteilung bekanntlich keine Rolle – Professor_innen verfügen wie in allen entscheidungsbefugten Gremien über die absolute Mehrheit. Die vom Arbeitskreis Zivilklausel entworfene und vielfach angepasste Zivilklausel, die am 08. Mai theoretisch zur Abstimmung stand, wurde von Teilen des FBR zum wiederholten Male kritisiert: sie würde den Fachbereich auf den „pazifistischen Weg“ festschreiben und sei ein „äußerer Zwang“ für Forschung und Lehre. Keinesfalls würden sie einer solchen Klausel zustimmen, ließen einige Mitglieder des FBR verlautbaren.
Die Front verhärtend, schlugen einige Professor_innen vor, eine „eigene“ Zivilklausel zu entwerfen und diese in der nächsten Sitzung am 5.6. zur Abstimmung zu stellen. Die Devise einiger Mitglieder der professoralen Statusgruppe ist also eindeutig: Über die von studentischer Seite vorgeschlagenen Aspekte – wie eine wirksame Zivilklausel – können wir mal reden und den Schein einer inhaltlichen Diskussion wahren. Aber letztendlich legen wir allein die Regeln fest – weil wir es ja können!
Der Gegenvorschlag (hier verfügbar) wird von uns jedoch als bloßes Lippenbekenntnis gewertet und lässt jegliche Handhabe gegen von Militär und Rüstungsforschung beeinflusste Wissenschaft am Fachbereich vermissen. Diese höchst unwirksame „Friedensklausel“ soll am 5. Juni vermutlich mit professoraler Mehrheit verabschiedet werden, direkt nachdem der Entwurf des studentischen Arbeitskreises abgelehnt worden ist.
Unser Vorschlag für eine Zivilklausel ist von uns nochmals leicht verändert worden und beinhaltet nun den konkreten Weg der Veröffentlichung der Folgenabschätzung. Die von uns zur Abstimmung gebrachte stehende Zivilklausel umfasst fünft Artikel, die präzise die Problematik nicht-ziviler Forschung aufgreifen und Lösungsansätze aufzeigen (hier verfügbar).
Zur Abstimmung im FBR am 5.6. erwarten wir viel Gegenwind – es liegt an uns allen, für genug Rückenwind zu sorgen und die Zivilklausel nicht zur Farce werden zu lassen. Die Veranstaltung ist öffentlich, so dass ihr die Möglichkeit haben werdet, eure Meinung kund zu tun und euch für eine wirksame Zivilklausel stark zu machen.

Fachbereichsrat PolSoz // TOP3: Zivilklausel
Mittwoch, 05.06.2013 // 09h00
Ihnestr. 21 // HS B

Zivilklauselabstimmung wieder verhindert

In der Sitzung des FBR am 8. Mai sollte es endlich soweit sein: Die Zivilklausel stand als Abstimmungspunkt auf der Tagesordnung. Genau aus diesem Grund versammelten sich viele interessierte Studierende im Hörsaal A, denn schließlich sollte nach einer 6-monatigen Diskussionsrunde und einem zeitgleich stattfindenden Entwicklungsprozess endlich eine Entscheidung über die Einführung einer selbst verpflichtenden Zivilklausel am Fachbereich fallen.
Einige Mitglieder des Arbeitskreis Zivilklausel stellten anfangs noch einmal die Wichtigkeit der heutigen Abstimmung heraus, indem auf Friedensfinalität, gesellschaftliche Verantwortung von Forschung und Lehre, die Chance als erster Fachbereichsrat an der FU eine Zivilklausel einzuführen und auf das Negativbeispiel Uni Potsdam (mit ihren von der Bundeswehr getragenen Studiengang „Military Studies“) eingegangen wurde, was anwesende Studierende mit Unterstützungsbekundungen begleiteten.
Als erstes Mitglied des FBR meldete sich dann Bernd Ladwig (Professor für politische Theorie) zu Wort. Dabei stellte er heraus, dass er die formulierte Begründung für friedliche Forschung absolut unterstützenswert fände, die daraus folgende Zivilklausel sei für ihn jedoch nicht tragbar. Die formulierte Zivilklausel würde zu einer „Diskriminierung von Forschung“ führen und außerdem habe er sich selbst noch nie als „Pazifist“ verstanden. Ohne auf die teils erschreckende Entwicklung eingehen zu wollen, dass sich die Begriffe „Pazifismus“ und „Pazifist“ mit zunehmender Zeit im Fachbereichsrat immer mehr zu Ausdrücken wandeln, die mit Naivität und „Hardcore-Idealismus“ verbunden sind und so Studierende immer wieder in die Ecke der realitätsfernen Jugendlichen gestellt werden; muss die Frage gestellt werden, inwiefern die Einführung der vorgeschlagenen Zivilklausel Forschung diskriminiert?
So bekräftigt Ladwig, dass Forschung frei von äußeren Zwängen sein muss, was absolut im Einklang mit der Zivilklausel steht. Diese soll nämlich keineswegs „Zwänge“ erschaffen, sondern soll eingerichtet werden, um zu signalisieren, dass Forschung und Lehre am Fachbereich sich ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung bewusst sind und für Transparenz und offene Diskussionen einstehen.
FBR-Mitglied Ingo Peters (Arbeitsstelle Transnationale Beziehungen, Außen- und Sicherheitspolitik) ging sogar noch einen Schritt weiter. Zwar stellte er heraus, wie fruchtbar und interessant er die durch die Zivilklauselinitiative eingeleitete Diskussion findet, im gleichen Atemzug äußerte er jedoch auch, dass eben diese Diskussion und nicht das Ergebnis zähle. Dass die eigentliche Diskussion über Forschung und Lehre am Fachbereich und ihren zivilen Nutzen erst nach Einrichtung der Zivilklausel und des mit inbegriffenen Ethikrates folgt, scheint ihm nicht bewusst zu sein. Peters führte weiter aus, dass er generell gegen Gewissensprüfungen und Eide sei, schließlich habe er beides schon einmal abgelegt und wäre nicht bereit dieses ein zweites Mal zu tun. Dass seine Einschätzungen zu Gewissensprüfungen nun ein gewisses Streitpotenzial bergen, sei nur am Rande erwähnt. Viel wichtiger für die Diskussion rund um die Zivilklausel ist auch hier ein Missverständnis oder vielleicht sogar ein nicht verstehen wollen. Nachdem der Arbeitskreis Zivilklausel 6 Monate lang erklärt hat, dass der im Zuge der Zivilklausel eingerichtete Ethikrat keinesfalls ein Kontrollgremium, dass Zwänge erschafft darstellen soll, sondern als ein Ort der Transparenz und der offenen Diskussion angedacht ist, scheinen noch immer nicht alle Mitglieder des FBRs diese Ausführungen wahrnehmen zu wollen. Thomas Risse (Professor für Internationale Beziehungen und Sprecher des SFB 700) stellte zwar in seinen Ausführungen klar, dass er es schön finde, wie sich die Zivilklausel nach 6 Monaten entwickelt hat, zwei Sätze später bezeichnete er den Ethikrat aber als „Wächterrat“. Auch wurde wieder auf die Problematik des „Dual-use“ eingegangen, dass ja eben nicht auszuschließen sei, dass Forschung sowohl zu militärischen, als auch zu zivilen Zwecken eingesetzt werden kann. Dass genau deshalb der Ethikrat gebildet werden soll, der eine Plattform bildet, um genau darüber zu diskutieren, wo dual-use bei Forschungsprojekten auftritt und dass sich der Ethikrat keinesfalls eine höhere Weisheit anmaßt, haben Studierende im FBR schon viel zu oft gesagt. Genauso wurde auch schon viel zu oft gesagt, dass es eben einen großen Unterschied gibt, ob ein Forschungsprojekt direkt von der Bundeswehr oder Rüstungsunternehmen für klar militärische Zwecke mit Geld oder anderen Mitteln unterstützt wird oder ob es nur einen „dual-use“ gibt. Auch ist hoffentlich klar, dass der Ethikrat keinesfalls eine Entscheidungsmacht besitzt, sondern nur Empfehlungen an den FBR ausspricht. Die Diskussion beschränkte sich also wieder auf dieselben oberflächlichen Kritikpunkte von Mitgliedern des FBR und wurde abgeschlossen mit der Frage von Antje Köhn (Leitung Studienbüro), ob der Ethikrat nicht einen erheblichen Mehraufwand bedeuten könnte. Die kurze Antwort: Nein, der Ethikrat soll den Fachbereichsrat sogar entlasten.
An einigen Stellen wurde die Diskussion jedoch spannender. So zum Beispiel als sich Cilija Harders (Professorin/Leiterin der Arbeitsstelle Politik des Vorderen Orients) zu Wort meldete. Nachdem sie ihr generelles Befürworten der Initiative und ihr darausfolgendes positives Abstimmungsverhalten erklärte schlug sie vor, der Ethikrat solle nicht wie im bisherigen Vorschlag von jedem Mitglied des FBR einberufen werden können, sondern erst nach einem Beschluss des gesamten FBR tagen. Die konstruktive Kritik wurde gerne zur Kenntnis genommen, auch wenn sich sagen lässt, dass die Idee, dass erst der FBR für die Tagung des Ethikrates stimmen muss, dem Sinn des Ethikrates widerspricht. Er soll paritätisch besetzt sein und jedes Mitglied des FBR soll die gleiche Chance haben ihn einzuberufen. Da der FBR nicht paritätisch besetzt ist, würde diese Chancengleichheit bei einer vorhergehenden Abstimmung nicht mehr gegeben sein. Auch soll der Ethikrat den FBR entlasten und Diskussionen über das wichtige Thema der friedlichen Forschung und Lehre einen angemessenen Rahmen bieten.
Miranda Schreurs (Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft/Leiterin des Forschungszentrums für Umweltpolitik) äußerte sich überrascht. Ethikregeln seien International schon Gang und Gäbe und auch die Ausweitung von Gremien stelle für sie kein Problem dar.
Insgesamt lief die Diskussion und die Bekundungen der FBR-Mitglieder immer im selben Muster ab. Zunächst erfolgte die Aussage, wie schön die Zivilklauselinitiative wäre und dass man sich mit den Werten absolut identifiziert werden könne. Die Konsequenz, also eine wirksame Zivilklausel, könne jedoch nicht gezogen werden. Mal waren es die Gründe der Freiheit, mal persönliche Abneigungen und manchmal so schien es war es auch einfach nur die konsequente Verneinung einer Konsensfindung.
Die eigentliche Farce begann erst hier. Dekanin Birgit Röttger-Rössler äußerte sich positiv zur Entwicklung der Zivilklausel (welche eine Überraschung!) und versuchte den FBR darauf aufmerksam zu machen, dass es doch wünschenswert wäre, würde man heute eine Verabschiedung dieser ja doch konsensfähigen Zivilklausel durchführen können. Bernd Ladwig reagierte umgehend mit einer Wortmeldung, in der er ausführte er hätte doch einige Ideen zur Umgestaltung, gerade der ersten 3 Punkte. Die 5 Punkte umfassende Zivilklausel, die nach etlichen Veränderungen stark gekürzt wurde und eine absolute Minimalversion der eigentlichen Ziele der Studierenden darstellt, basiert nicht zuletzt auf den ersten 3 definierenden Punkten. Dass sprachliche Änderungen gerne vorgenommen werden könnten, der eigentliche Sinn der Zivilklausel aber schlicht und einfach nicht mehr verändert werden kann, ohne dass sie nur noch einem Lippenbekenntnis zum Frieden gleicht, wurde durch Studierende des Arbeitskreises Zivilklausel umgehend geäußert. Damit war klar, dass sich die Studierenden nicht von ihren Minimalzielen lösen wollen und so war es nun an den Mitgliedern des FBR einen Schritt in Richtung Konsens zu machen. Anstatt eine Lösung zu suchen, schlug Birgit Röttger-Rössler eine Verschiebung der Angelegenheit auf die nächste Fachbereichsratssitzung vor, die auch umgehend vom FBR (mit professoraler Mehrheit) beschlossen wurde. Gleichzeitig meldete sich Bernd Ladwig zu Wort, der eine eigene Gruppe zur Ausarbeitung einer neuen Zivilklausel errichtete.
Anstatt sich in den letzten 6 Monaten aktiv am Gestaltungsprozess einer Zivilklausel zu beteiligen haben die meisten Mitglieder des FBR sich nur auf Diskussionen in den Sitzungen beschränkt. Auch nach mehrmaligen Aufrufen des Arbeitskreises Zivilklausel sind nur wenige der Einladung zu einer Konsensfindung gefolgt und stattdessen wird nun nach 6 Monaten Diskussion und etlichen Veränderungen an der Zivilklausel, die große Abstriche in den eigentlichen Forderungen nach sich gezogen haben, von professoraler Seite eine eigene Gruppe gegründet. Etliche Verschiebungen der Abstimmung, Diskussionen die sich mit immer gleichbleibenden Argumenten im Kreis drehen und auf Argumente von Studierenden nicht eingehen und nun die Gründung einer „eigenen“ Zivilklauselgruppe lassen Studierende mit dem Gefühl zurück, dass es im FBR nicht um Konsensfindung geht, sondern vielmehr darum, eigene Interessen durchzubringen. Alles getragen von einem großen Teil der professoralen Mehrheit im FBR. Die Konsequenz daraus ist, dass studentische Interessen und Anliegen überhört werden. Wir werden uns gerne ein weiteres Mal offen für Diskussionen zeigen und wieder in die Diskussion einsteigen. Dass aber eine dermaßen minimalistische Zivilklausel so große Probleme hervorruft, ist erschreckend.
Nun ist die große Gefahr, dass eine Friedensklausel als Gegenvorschlag eingebracht wird, in der nichts als das Bekenntnis zum Frieden formuliert wird und die weiterhin klar militärischen Nutzen dienenden Forschungsprojekten die Türe öffnet.
Es liegt an uns als Studierende zu verhindern, dass eine instrumentalisierte Friedensklausel erschaffen wird, mit der sich die Uni rühmen kann, friedlich zu handeln und gleichzeitig die Einrichtung eines von der Bundeswehr gesponserten Studiengang oder Forschungsprojektes möglich ist.
Nun ist es an uns sich für eine wahre Zivilklausel am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften einzusetzen! Daher kommt zahlreich zur nächsten Sitzung und setzt euch ein für Transparenz und ein Bekenntnis zur Verantwortung von Forsche und Lehre!

Endgültige Abtimmung über Zivilklausel im FBR am 08.05.

In der Sitzung des neuen Fachbereichsrates am 08.05.2013 wird die Zivilklausel als Beschlusspunkt auf der Tagesordnung stehen. Wir möchten noch einmal gemeinsam ein Zeichen für eine zivile Universität setzen!
Kommt und diskutiert mit!
Mittwoch 08.05., 9.00 Uhr
Ihnestr. 21, HS 1B

Beschluss der Zivilklausel in das Sommersemester verschoben

Zur Sitzung des Fachbereichsrates (FBR) am 20.02.2013

In der FBR-Sitzung des 20.02. stand die Zivilklausel endlich als Beschlusspunkt auf der Tagesordnung. Nach kurzer Diskussion wurde die Abstimmung allerdings auf das Sommersemester verschoben. Die Zivilklausel wird nun am 08.05.2013 von dem nach den akademischen Wahlen im Januar neu zusammengesetzten FBR behandelt.
Die der Beschlussfassung vorgelagerte Diskussion im FBR eröffnete Dekanin Röttger-Rössler mit einem emotionalen Appell, für die Zivilklausel zu stimmen. Sie sei „gut begründet“ und stelle eine „beschlussfähige Grundlage“ dar. Generell begrüße sie die Initiative und gab zu bedenken, dass „jede Uni [sich] mit ethischen Implikationen zu befassen“ habe. Der Fachbereich könne mit dem Beschluss der Zivilklausel in der Universität ein „Vorreiter sein“. Darüber hinaus merkte sie an, dass sie des Diskussionsverhaltens einiger FBR-Mitglieder überdrüssig sei („Kinderkrambemerkungen“).
Auch Margreth Lünenborg (Professorin für Journalistik) trat bestimmt für die Umsetzung der Zivilklausel ein. Miranda Schreuers (Professorin für Vergleichende Politikwissenschaft) wies auf die Praxis in den USA hin, wo Zivilklauseln an den Universitäten die Regel seien und beschrieb sie als gutes Instrument um den Missbrauch der Forschung zu verhindern. Christof Mauersberger (Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Arbeitsstelle für Internationale Politische Ökonomie) sprach sich für die Zivilklausel aus und wies darauf hin, dass die Statuten bei Nicht-Praktikabilität neu gefasst werden könnten.
Erwartungsgemäß meldeten sich auch in dieser Sitzung die Gegner der Zivilklausel zu Wort. Besonders Sven Chojnacki (Prof für Vergleichende Politikwissenschaft und empirische Friedens- und Konfliktforschung, Leiter des Teilbereichs C „Sicherheit“ des Sonderforschungsbereichs (SFB) 700) überraschte mit seinen kritischen Äußerungen der Zivilklausel gegenüber. Entgegen seinen bisherigen Beteuerungen, er trete für eine Zivilklausel ein und trotz der nicht wahrgenommenen Möglichkeit sich weiter am Statusgruppen übergreifenden Ausarbeitungsprozess der Klausel zu beteiligen, äußerte sich Sven Chojnacki plötzlich sehr skeptisch über die Fassung der Zivilklausel. Dabei machten seine Redebeiträge den Anschein vor allem verunsichern zu wollen – konstruktive inhaltliche Kritik übte er nicht, vielmehr sei ihm noch einiges an der Zivilklausel „unklar“. Dieses Verhalten stieß auf Unverständnis bei den anwesenden Studierenden, denen gegenüber er bisher stets seine Unterstützung betont hatte.
Thomas Risse (Prof für Internationale Beziehungen, Sprecher des SFB 700) kritisierte die Bestrebungen des Arbeitskreises harsch: Zwar sei der erste Satz der Klausel „Konsens“, insgesamt komme die Zivilklausel aber einer „Gesinnungsschnüffelei“ gleich, stelle gar einen „Radikalenerlass“ dar. Auch die Einschränkung von Berufungen für Wissenschaftler_innen, die keine zivile Forschung betreiben, erzürnte Risse. Zudem könne er sich nicht vorstellen wie eine Risiko- und Folgeabschätzung von Forschungsprojekten (wie in der Zivilklausel vorgesehen) aussehen solle.
Der sich „grundsätzlich immer gegen die Einschränkung von Forschung“ wehrende Klaus Segbers (Prof für Politikwissenschaft) fand überraschenderweise die Veränderung der Zivilklausel „anerkennenswert“, verließ die Sitzung verfrüht, da er sich nach eigener Aussage ohnehin enthalten hätte.
Als Resultat der Verunsicherungen seitens Chojnackis und Risses baten auch Angehörige der Statusgruppe der Sonstigen Mitarbeiter_innen (SoMis) um mehr Zeit zur Klärung offener Fragen. Daraufhin stimmte die Mehrheit der Abstimmungsberechtigten für die Verschiebung der Beschlussfassung auf das Sommersemester.